Eine Besonderheit der Vertragsgestaltung bei grenzübergreifenden Lieferungen sind die Incoterms. In der Tat kommt diesen standardisierten Vertragsklauseln im internationalen Warenhandel grosse Bedeutung zu und ihre richtige Verwendung kann helfen, Risiken zu minimieren.

Richtig angewendet bieten die Incoterms Rechtssicherheit, da ihre Auslegung standardisiert und von der Rechtsprechung untermauert ist. Sie regeln beispielsweise die Verteilung der Transportkosten, den Gefahrenübergang oder die Verantwortlichkeit für die Bezahlung der Zölle und anderen Abgaben. Missverständnisse und Rechtsstreite lassen sich durch ihren Einsatz verhindern. Allerdings müssen die Anwender die Bedeutung und Auswirkungen der einzelnen Incoterms genau kennen, denn deren falsches Anwenden kann zu negativen Folgen führen. Bei DDP-Lieferungen (frei Haus, verzollt und versteuert) kann es zum Beispiel wegen einer zwingenden MWST-Registrierung im Empfangsland zu MWST-Nachbelastungen kommen. Die Verwendung des Incoterms EXW (ab Werk) kann Schwierigkeiten bei der steuerbefreiten Ausfuhrlieferung bewirken, denn der Verkäufer ist nicht für die Ausfuhrzollanmeldung verantwortlich und kann den Beweis für die Ausfuhr ins Ausland möglicherweise nicht erbringen. Bei Verlust oder Schäden an der Ware während des Transports ist der vereinbarte Incoterm ein wichtiger Faktor, der den Gefahrenübergang und somit die Kostenübernahme bei Streitigkeiten oder Versicherungsfragen klären kann.

Incoterms 2000 Incoterms 2010 Englisch Deutsch
EXW EXW Ex works Ab Werk
FCA FCA Free carrier Frei Frachtführer
CPT CPT Carriage paid to Frachtfrei
CIP CIP Carriage and insurance paid to Frachtfrei versichert
DEQ DAT Delivered at terminal Geliefert Terminal
DAF/DES/DDU DAP Delivered at place Geliefert benannter Ort
DDP DDP Delivered duty paid Geliefert verzollt
FAS FAS Free alongside ship Frei Längsseite Schiff
FOB FOB Free on board Frei an Bord
CFR CFR Cost and freight Kosten und Fracht bezahlt
CIF CIF Cost, insurance and freight Kosten, Versicherung und Fracht

Die Incoterms 2010 regeln vor allem die jeweiligen Unterstützungspflichten beider Parteien einschliesslich das gegenseitige zur Verfügung stellen von sicherheitsrelevanten Daten. Auch wurden die alten DAF-, DES-, DEQ- und DDU-Klauseln durch die neuen Klauseln DAT und DAP ersetzt.

28. Mai 2013 ▪ Kategorie: Zollrecht

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Simeon L. Probst

Leader Customs Consulting

Simeon Probst bringt eine umfangreiche Erfahrung und einen vielseitigen Werdegang mit. Er referiert an PwC-eigenen und externen Mehrwertsteuer- und Zollseminaren sowie an Lehrveranstaltungen der Wirtschaftsprüfungsbranche. Simeon Probsts fundiertes Wissen in der Mehrwertsteuer- und Zollplanung stammt unter anderem aus der Beratung von Schweizer Konzernen bei der Einführung moderner Supply-Chain-Modelle. Er hat zahlreiche Projekte mit komplexen internationalen Vertriebsstrukturen und Fragestellungen rund um die Mehrwertsteuer und Zollabwicklung begleitet, zum Beispiel für eine Schweizer Stahl-Gruppe und einen Schweizer Medizintechnikhersteller.

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