In der letzten Woche durfte ich über 100 Teilnehmer im ehrwürdigen Bellevue Palace Hotel - nahe dem Bundeshaus - zur 2. Zollrechtstagung in Bern begrüssen (vgl. Zollrechtstagung Bern 2013). Die Agenda war vorgegeben: Der Vormittag stand ganz im Zeichen von Neuerungen im Bereich des Zollrechts in der Schweiz und

welche Gedanken sich Schweizer Gesellschaften betreffend Sicherheit in der Lieferkette machen müssen (Zauberwort ist hier AEO). Ein eindrücklicher Einblick in diese Diskussion konnte uns der für die AEO-Zertifizierung Zuständige vom Hauptzollamt Lörrach gewähren. Betreffend die Sicherheitsdiskussion ist uns Deutschland und wohl auch die EU ein paar Schritte voraus. Was auf uns zukommen wird, können wir hier relativ einfach von Deutschland lernen und auch abkupfern. Weiter konnte ich zusammen mit meinem Kollegen von PwC Holland aufzeigen, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, dass ich „meine“ Lieferkette aus Zollsicht unter Kontrolle bekomme. Wichtigstes Kriterium ist ganz bestimmt das Zollmanagement im Unternehmen und entsprechend die Zuweisung der Verantwortlichkeiten intern. Die Frage wer macht was und wie (ev. sogar warum) sind die „key-questions“ und sollen schliesslich in einem internen Handbuch (oder besser in einer Verantwortlichkeits-Matrix) niedergeschrieben werden. In der anschliessenden Diskussionsrunde konnten sich die Verwaltung, Verbände und betroffene Gesellschaften zu den Themen vom Vormittag äussern. Mehrfach wurden Aussagen wie „bessere Zusammenarbeit“ (Verwaltung), „grosse Herausforderung“ (Verbände) und „Wichtigkeit der internen Zoll-Organisation“ aufgegriffen. Nach dem Mittagessen mit einem herrlichen Blick auf den Berner Hausberg ging es dann Schlag auf Schlag: Die Freihandelsabkommen in der Politik, bei der Verhandlung und schliesslich im täglichen „Ursprungsleben“. Es wurde uns politisch unverblümt die aussenwirtschaftspolitische Strategie inkl. der politischen Diskussionen aufgezeigt. Bei der effektiven Verhandlung der einzelnen Bestimmungen mit dem zukünftigen Freihandelspartner ist nicht nur Verhandlungsgeschick gefragt, sondern auch die Offenheit zu anderen, neuen Esskulturen. Beim Auftischen von getrockneten Fröschen wird auch der Chef Freihandelsabkommen zu einem überzeugten Vegetarier. Nach diesen kulinarischen Eskapaden ging es dann an das Eingemachte: Wie wenden die Schweizer Gesellschaften diese Freihandelsabkommen an und welches sind die zu treffenden Vorkehrungen. Die Berechnung des Ursprungs ist nicht wie in der Schule eine „Hüffeli-Rechnung“, sondern eine komplexe Berechnung gestützt auf eine gute interne Organisation. Neue Freihandelsabkommen bedeuten primär eine Chance, in neue Märkte zu gelangen, aber es bedeutet auch intern neue Ressourcen für die korrekte Anwendung bereitzuhalten. Das Abschlussfeuerwerk war dann ganz unserem Nachbarland überlassen: Deutschland im Fokus und was Schweizer Unternehmen wissen müssen! Von der Zollanmeldereigenschaft über die Erhebung der Einfuhrabgaben bis zur Zollwertermittlung und schliesslich der Zollprüfung wurde uns alles serviert. Die nächste Zollrechtstagung ist bereits in Planung. Ob wir dann die nächsten kulinarischen Erläuterungen zu den neuen Freihandelsabkommen präsentiert bekommen, steht noch in den Sternen.

6. Juni 2013 ▪ Kategorie: Zollrecht

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Simeon L. Probst

Leader Customs Consulting

Simeon Probst bringt eine umfangreiche Erfahrung und einen vielseitigen Werdegang mit. Er referiert an PwC-eigenen und externen Mehrwertsteuer- und Zollseminaren sowie an Lehrveranstaltungen der Wirtschaftsprüfungsbranche. Simeon Probsts fundiertes Wissen in der Mehrwertsteuer- und Zollplanung stammt unter anderem aus der Beratung von Schweizer Konzernen bei der Einführung moderner Supply-Chain-Modelle. Er hat zahlreiche Projekte mit komplexen internationalen Vertriebsstrukturen und Fragestellungen rund um die Mehrwertsteuer und Zollabwicklung begleitet, zum Beispiel für eine Schweizer Stahl-Gruppe und einen Schweizer Medizintechnikhersteller.

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