Ich durfte eine herrliche Woche Ferien in der Toskana verbringen. Neben vielen schönen Erlebnissen, tollen Eindrücken und kulinarischen Höhenflügen, habe ich auch diverse Mitbringsel flüssiger Natur in meinem Auto verstaut. Muss ich dies bei der Einfuhr in die Schweiz nun deklarieren oder nicht? Die eindrückliche Toskana-Rundreise führte mich von Pisa, über Poggibonsi, Siena, Lucca und schliesslich nach Livorni (mit einem Abstecher in die Bolgheri-Region).

Bei jeder Ortschaft hatte ich das Vergnügen, eine „Fattoria“, „Enoteca“ resp. „Società Agricola“ zu besuchen. Diese Besuche hatten zur Folge, dass ich nie mit leeren Händen den kühlen Weinkeller verlassen habe. Auf der Rückreise und v.a. beim üblichen Stau vor der Schweizer Grenze hatte ich Zeit, mir über die Regelungen zu den Freigrenzen und Freimengen bei Waren zum privaten Gebrauch im Reiseverkehr Gedanken zu machen. Abgabefrei dürfen 2 Liter alkoholische Getränke bis 15% Volumen und 1 Liter über 15% Volumen eingeführt werden. Somit ist mein Sassicaia-Grappa aus der „Zoll-Schusslinie“, aber die diversen Weine müssen verzollt werden. Zurzeit ist eine Vernehmlassung im Gang (Anhörungsverfahren dauert noch bis Ende August 2013), welche diese Freimengen (aber nicht die Wertfreigrenze von CHF 300) erhöhen möchte: Nach der neuen Regelung könnte ich sage und schreibe 20 Liter gegorene alkoholische Getränke bis zu 18% Volumen zollfrei in die Schweiz einführen (weitere Anpassungen betreffen Fleisch und Fleischwaren, Öl und Fett sowie Zigaretten). Also habe ich mein Auto neben der Dame, welche Vignetten verkauft, parkiert und wartete einmal ab, ob nun meine Weinflaschen gezählt werden. Nach einer gewissen Zeit wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass ich doch einfach „zur Kasse“ gehen soll. Als ich dann schliesslich an der Reihe war, habe ich mit meinem sehr holprigen italienisch meinen Wunsch der Verzollung der Weine angekündigt. Dann ging alles relativ schnell: Gestützt auf ein paar Kassenzettel und nach der Rechnerei des italienisch sprechenden Grenzwächters waren dies dann 30 Liter Wein à CHF 0.60 Zoll und ein bisschen MWST (im Total CHF 42.40). Und schon stand ich wieder draussen, bereit, am Gotthard Südportal anzustehen. Mit dem Wissen darum, dass ich die Weine verzollt habe und ich somit kein „zollrechtlich schlechtes Gewissen“ haben muss, werden mir die Weine geradezu doppelt so gut schmecken!

25. Juli 2013 ▪ Kategorie: Zollverfahren

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Simeon L. Probst

Leader Customs Consulting

Simeon Probst bringt eine umfangreiche Erfahrung und einen vielseitigen Werdegang mit. Er referiert an PwC-eigenen und externen Mehrwertsteuer- und Zollseminaren sowie an Lehrveranstaltungen der Wirtschaftsprüfungsbranche. Simeon Probsts fundiertes Wissen in der Mehrwertsteuer- und Zollplanung stammt unter anderem aus der Beratung von Schweizer Konzernen bei der Einführung moderner Supply-Chain-Modelle. Er hat zahlreiche Projekte mit komplexen internationalen Vertriebsstrukturen und Fragestellungen rund um die Mehrwertsteuer und Zollabwicklung begleitet, zum Beispiel für eine Schweizer Stahl-Gruppe und einen Schweizer Medizintechnikhersteller.

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