Gestern hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Mindestkurs für den EURO aufgehoben. Nebst der Tatsache, dass der Kurs der Europäischen Währung daraufhin in den Keller sackte und dies für die Exportwirtschaft negative Folgen haben wird, sollte im Auge behalten werden, dass dieser Entscheid - im Positiven, jedoch auch im Negativen - auch auf die Ursprungsbeurteilung grossen Einfluss haben kann.

Positiv: Viele Firmen haben als Vereinfachung für die Berechnung des Ursprungs (bei Prozent-Kriterien) bei zugekauften Teilen / Waren fixe EURO-Kurse eingesetzt. In der Regel sind diese einiges höher, als der jeweilig gültige Kurs. Demzufolge ist der Wertanteil dieser Vorprodukte in der Regel höher berechnet, als er tatsächlich wäre. Es wäre allenfalls zu prüfen, ob ein Produkt, welches das Ursprungskriterium momentan nicht erfüllt, mit dem momentan sehr tiefen EURO-Kurs den Ursprung erhält.

Negativ: Fakturieren Sie bei Exporten in EURO, so müssen Sie bedenken, dass bei einer allfälligen Ursprungsüberprüfung durch die Zollbehörde der Umrechnungskurs zum aktuellen Vortages-Devisenverkaufskurs zur Anwendung gelangt. Es kann also durchaus sein, dass der ab Werk Preis dann um einiges tiefer ist, als bei der ursprünglichen Ursprungsbeurteilung kalkuliert und die Ware dann die Ursprungsbedingungen nicht mehr erfüllt. Durch die Aufhebung der EURO-Mindestgrenze wird die Ursprungsberechnung nicht einfacher: Zwischen der Ursprungsvereinbarung mit den Kunden und der Wirklichkeit kann sich eine grosse “Unwahrheit” ergeben. Die Zollverantwortlichen sind in diesen Tagen sehr gefordert und auch gefragt!

16. Januar 2015 ▪ Kategorie: Ursprung

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Simeon L. Probst

Leader Customs Consulting

Simeon Probst bringt eine umfangreiche Erfahrung und einen vielseitigen Werdegang mit. Er referiert an PwC-eigenen und externen Mehrwertsteuer- und Zollseminaren sowie an Lehrveranstaltungen der Wirtschaftsprüfungsbranche. Simeon Probsts fundiertes Wissen in der Mehrwertsteuer- und Zollplanung stammt unter anderem aus der Beratung von Schweizer Konzernen bei der Einführung moderner Supply-Chain-Modelle. Er hat zahlreiche Projekte mit komplexen internationalen Vertriebsstrukturen und Fragestellungen rund um die Mehrwertsteuer und Zollabwicklung begleitet, zum Beispiel für eine Schweizer Stahl-Gruppe und einen Schweizer Medizintechnikhersteller.

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