Die EU hat gestern erfolgreich die Verhandlungen im Rahmen des Freihandelsabkommens mit Vietnam abgeschlossen. Der endgültige Text des Abkommens soll nach der Sommerpause zur Verfügung stehen. Dies ist nach Singapur das zweite Freihandelsabkommen der EU mit einem ASEAN-Land (Association of Southeast Asian Nations, Verband Südostasiatischer Nationen).

Dies ist ein wichtiger Schritt für EU-Unternehmen welche in ASEAN ihre Geschäftstätigkeiten ausweiten wollen, namentlich in folgenden Industrien: Maschinen / Geräte, Motorräder, Autoteile, Textilgewebe, Pharma und Chemie. Ein Grossteil der Tariflinien wird von einer vollständigen Eliminierung der Zölle profitieren können. Für einige der oben genannten Industrien wurde eine partielle Eliminierung der Zölle über einen Zeitraum von 7 Jahren für die EU und bis zu 10 Jahren für Vietnam ausgehandelt. Nebst der Eliminierung der Zolltarife sind Themen wie die Verringerung nichttarifärer Handelshemmnisse europäischer Ausfuhren, Schutz der Europäischen geographischen Angabe, öffentliches Beschaffungswesen, Rechte an geistigem Eigentum, etc. Gegenstand des Abkommens. Was bedeutet dies für die Schweiz? Wir sind optimistisch dass die erfolgreichen Verhandlungen zwischen der EU und Vietnam die Verhandlungen zwischen der Schweiz (EFTA) und Vietnam vorantreiben werden, da beide Abkommen ähnlichen Inhalts sind. Durch die Einsicht in das Abkommen zwischen der EU und Vietnam könnte die Schweiz sich eine bessere Ausgangslage in den nächsten Diskussionen verschaffen. Wo steht die Schweiz? Vor zwei Monaten wurde die zwölfte Verhandlungsrunde zwischen den EFTA-Länder und Vietnam abgeschlossen und die nächste Runde soll im Oktober 2015 stattfinden. Eigentlich hätten die Verhandlungen bereits Ende 2014 beendet werden sollen. Mit einem Freihandelsabkommen mit Vietnam könnte der Zugang zu ASEAN verbessert werden. Durch die Teilnahme an den TPP Verhandlungen (Trans-Pacific Partnership) wird Vietnam auch in Zukunft ein starker und interessanter Handelspartner sein. Für die Schweiz ist es wichtig, sich in Asien / ASEAN weiter gut zu positionieren, da sie nicht Partei der TPP Verhandlungen ist. Die Verhandlungen mit Malaysia sind noch in der Anfangsphase, genauso mit den Philippinen, die Diskussionen mit Thailand sowie Indonesien sind derzeit suspendiert. Die Schweiz hat derzeit in Asien Freihandelsabkommen mit Japan, Hong Kong, Singapur, China und Süd-Korea (teilweise bilateral, teilweise unter EFTA). Um international wettbewerbsfähig zu bleiben ist es deshalb wichtig, das Netzwerk von Freihandelsabkommen auszubauen um Geschäftsmöglichkeiten für Schweizer Unternehmen weiter attraktiv zu gestalten. Mehr Informationen betreffend dem Freihandelsabkommen EU – Vietnam: http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO-15-5468_en.htm?locale=en

5. August 2015 ▪ Kategorie: Ursprung

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Simeon L. Probst

Leader Customs Consulting

Simeon Probst bringt eine umfangreiche Erfahrung und einen vielseitigen Werdegang mit. Er referiert an PwC-eigenen und externen Mehrwertsteuer- und Zollseminaren sowie an Lehrveranstaltungen der Wirtschaftsprüfungsbranche. Simeon Probsts fundiertes Wissen in der Mehrwertsteuer- und Zollplanung stammt unter anderem aus der Beratung von Schweizer Konzernen bei der Einführung moderner Supply-Chain-Modelle. Er hat zahlreiche Projekte mit komplexen internationalen Vertriebsstrukturen und Fragestellungen rund um die Mehrwertsteuer und Zollabwicklung begleitet, zum Beispiel für eine Schweizer Stahl-Gruppe und einen Schweizer Medizintechnikhersteller.

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